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Zugverspätung: kleiner Leitfaden für Bahnfahrer

Im Dezember 2010 waren nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest fast 70% aller Zugverbindungen der Deutschen Bahn verspätet.
Regelmäßige Bahnfahrer werden anmerken, dass dieses Phänomen nicht  ausschließlich nur auf die Wintermonate beschränkt ist.
Es gibt also genügend Gründe, um Bahnreisende einen Leitfaden an die Hand zu geben, der ihnen hilft, mit der Unpünktlichkeit der Bahn umzugehen.

Ohne Umsteigen fährt man besser

Wenn Sie eine Reise planen, dann sollten Sie möglichst nach einer  Direktverbindung suchen. Wenn Sie bei der Onlinesuche „Erweiterte Verkehrsmittelwahl“ auswählen, dann können Sie die Suchergebnisse nach Direktverbindungen filtern. So kann man zu mindestens vermeiden, dass einem der Anschlusszug vor der Nase wegfährt.

Der Weg ist das Ziel

Wenn sich  partou keine direkte Verbindung finden lässt, dann sollte man für die Reise von vornherein mehr Zeit ein planen. Bei der Suche nach einer passenden Verbindung, wählt man zunächst „Weitere Suchoptionen„, dann bekommt man die Möglichkeit  Verbindungen mit extra langen Umsteigezeiten zu finden. Diese Suchoption ist besonders praktisch, um sog. Turnschuhverbindungen zu vermeiden, also Anschlüsse, die nur im Sprint erreicht werden können, wenn diese sich nicht gerade am gegenüberliegenden Bahnsteig befinden.

Verzögerungstatik

Das eigentlich Unmögliche ist passiert. Sie sitzen in einem verspäteten Zug.

Was tun?

In dieser Situation gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: versuchen Sie den Zugbegleiter zu bitten, per Handy die Zentrale zu informieren, damit Ihr Anschlusszug auf Sie wartet.

Kein Anschluss an diesem Bahnsteig

Ist der Anschlusszug ohne Sie abgefahren, dann sollten Sie den nächsten „Servicepoint“ aufsuchen. Das dortige Servicepersonal kann Ihnen neben wichtigen Informationen, auch  zuschlagfreie Fahrten in einem  ICE ermöglichen.

Der Zug ist voll

Wenn Sie trotz einer Reservierung keinen Sitzplatz bekommen, weil entweder der Anschlusszug mit Ihren reservierten Plätzen weg ist, der Wagon abgehängt wurde oder einen Ersatzzug zum Einsatz kommt, haben Sie Anspruch auf Erstattung des Reservierungsentgelts.

Wenn Sie zu allem Übel dann auch noch stehen müssen, sollten Sie den Zugbegleiter um Rat fragen.  Eventuell kann er Ihnen einen Sitzplatz in der ersten Klasse anbieten. Ob er Sie in die erste Klasse lässt,  liegt allerdings alleine im Ermessen des Schaffners.

Ohne Bindung

Hat der Zug mehr als 20 Minuten Verspätung, entfällt für die gebuchte Fahrt die Zugbindung. Das bedeutet für Reisende, dass sie  dann auch einen höherwertigen Zug benutzen dürfen, sofern es sich nicht um einen ICE-Sprinter oder um einen Sonderzug handelt.

Um später aufgrund der Verspätung evtl. Ansprüche gegen die Bahn geltend machen zu können, sollten Sie sich die Verspätung möglichst am „Servicepoint“ oder vom Zugbegleiter bestätigen lassen.

Am Bahnsteig gestrandet

Es ist kurz vor Mitternacht. Der letzte Anschlusszug ist bereits ohne Sie abgefahren. Jetzt nur nicht nervös werden. In diesen Situationen kann der „Servicepoint“ oder die „3-S-Zentrale“ weiter helfen.

Wenn die fahrplanmäßige Ankunftszeit zwischen 24 und 5 Uhr liegt und Sie mit keinem öffentlichen Nahverkersmittel mehr ihr Ziel erreichen können, dann dürfen Bahnreisende auch aufs Taxi umsteigen. Allerdings übernimmt die Bahn nur die Kosten bis zu einer Höhe von 80 Euro. Mit diesem Betrag sollten Sie immerhin  ca. 40-50 km weit kommen.

Wenn Sie gar nicht mehr weiter kommen, weil der Zug mehr als 60 Minuten Verspätung hatte, dann brauchen Sie nicht unbedingt auf dem Bahnsteig übernachten. In diesem Fall haben Sie sogar Anspruch auf eine kostenlose Unterbringung im Hotel.

Geld zurück

Haben Sie ihr Ziel um mehr als eine Stunde verspätet erreicht, dann haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung. Dies kann entweder in Form eines Gutscheins oder per Überweisung auf Ihr Konto erfolgen.

Die Entschädigungen sind wie folgt gestaffelt:

ab 60 Min.  gibt es 25 Prozent

ab 120 Min gibt es 50 Prozent

des jeweiligen Fahrpreises zurück

Die Anträge auf Entschädigung kann man vom  Zugbegleiter oder den  Mitarbeitern auf den Bahnhöfen bekommen. Man kann sich die Formulare aber auch aus dem Internet  runter laden.

Für Inhaber von Zeitfahrkarten  gelten allerdings besondere Regeln. Eine Chance auf Entschädigung hat man eigentlich nur dann, wenn es in dem Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte öfter zu Verspätungen kommt und dies auch entspr. belegen kann.

Beschwerde

Wenn Sie sich beim Durchsetzen Ihrer Ansprüche ungerecht behandelt fühlen oder wenn das Bahnunternehmen Ihnen eine Entschädigung verweigert, dann können Sie sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e. V. (söp), der Schlichtungsstelle Mobilität oder auch an das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) wenden. Beide Institutionen können Ihnen weiter helfen, wenn es darum geht,  zu ihrem Recht zu kommen.

Links:

Fahrgastrechte (DB)

Fahrgastrechte Formular

Schlichtungsstelle Mobilität

SÖP

Info 3-S-Zentrale

Eisenbahn-Bundesamt